Autoindustrie ruiniert Altersvorsorge für Millionen Sparer

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NRW-MInister Pinkwart: Autoindustrie ist nicht richtig aufgestellt, foto: mb

NRW-Wirtschafsminister Andreas Pinkwart macht sich Sorgen um das Herz der deutschen Wirtschaft. Pinkwart fürchtet um Arbeitsplätze und um Steuereinnahmen. Am Ende wackelt auch seine Ministerpension.

„Die deutsche Autoindustrie ist noch bei Weitem nicht so aufgestellt, wie es nötig wäre, um die Herausforderungen zu meistern“, sagt Minister Pinkwart vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung im Düsseldorfer Industrieclub. Deshalb sei es letztlich auch nicht schlimm, dass die Milliarden-Strafe von VW ausgerechnet im VW-Land Niedersachsen landet. Niedersachsen bekommt ja schon die Dividenden für seine VW-Aktien. „Ich hoffe, das Strafgeld wird gut angelegt“, sagt NRW-Minister Pinkwart: „Ich sehe große Probleme auf Niedersachsen zukommen. Um Elektroautos zu bauen brauchen Sie viel weniger Mitarbeiter als für Diesel und Benziner. Wir in NRW freuen uns jedenfalls, dass VW den Standort Bochum ausgewählt hat für sein neues Forschungszentrum. Der Grund: In Bochum gibt es Fachkräfte und bezahlbare Wohnungen für die Familien der Fachkräfte.“

Autoindustrie zahlt weniger Steuern

Sofern VW die Milliarden-Strafe als steuermindernde Ausgabe abziehen kann, zahlen Mitarbeiter und Minister indirekt mit. Die Steuerzahlungen der Autoindustrie sinken 2018 ohnehin. VW, Daimler und auch BMW kriegen momentan nicht alle Zulassungen für ihre Modelle. Sie müssen Produktionen und Verkäufe zurückfahren. Gewinn und Steuerzahlungen der Konzerne werden 2018 nicht wieder so hoch sein wie 2017; sehr zum Ärger von Finanzminister Olaf Scholz und Kanzlerin Angela Merkel.

Pensionskassen fürchtenKürzungen

Für Millionen Sparer, für altersvorsorgende Arbeitnehmer und für Minister sind Daimler, BMW und VW schon seit Langem Minusmacher. In praktisch allen Aktienfonds und Pensionskassen liegen Aktien der Autokonzerne. Der Aktienkurs von VW liegt zur Jahresmitte 2018 so tief wie 2011: um 100 Euro unter dem Höchststand von 2015. Daimler ist noch schlimmer: Der Aktienkurs liegt so tief wie 1996. Die BMW-Aktie liegt auf dem Niveau von 2013: um ein bitteres Drittel unter dem Höchststand von 2015.

Auto-Papiere siehen alles runter

So tief wie die Kurse der angeblichen Wertpapiere notieren, so tief rechnen sich die Anteilwerte von Fonds und die Zahlungsfähigkeiten der Pensionskassen aus. Schon hat das Aufsichtsamt vielen Kassen die gelbe Warnkarte gezeigt: Wenn die Befürchtungen von Minister Pinkwart und von vielen anderen Beobachtern sich bewahrheiten, werden Pensionskasse ihre Zahlungen an Rentner und ihre Versprechungen an künftige Rentner kürzen müssen. Davon sind im Zweifel auch die Pensionskassen der Beamten, der Minister und sogar der Kanzlerin betroffen. Selbst die Versorgungswerke von Rechtsanwälten und Richtern stecken mitten drin in diesem Sumpf.

VW-Anleihe verliert 15 Prozent

Alle büßen für Selbstgefälligkeiten verbrennungsverliebter Automanager, für Betrügereien mit Abgasen sowie für jahrelanges kumpaneiartiges Wegsehen angeblicher Kfz-Aufsichtsbehörden. Selbst Zinspapiere, sog. Anleihen, der Autofirmen sorgen für Wertverluste von Investmentfonds und für entsprechende Enttäuschungen bei gutgläubigen Besitzern der Fondsanteile. Die 3,3-Prozent-Anleihe von VW z.B. mit Laufzeit bis 2033 ist in den jüngsten drei Jahren um 15 Prozent im Kurs gesunken. Für die 1,375-Prozent-Anleihe von Daimler mit Laufzeit bis 2028 wird aktuell nicht mal mehr der Nennwert bezahlt. Und das sind nur zwei Beispiele für Hunderte Anleihen über hohe Milliardenbeträge, die alle irgendwo in den Beständen von Fonds und Pensionskassen liegen.

DAX steht 2018 tiefer als im Jahr 2000

Früher hieß es: „Deutschland einig Autoland“. Heute heißt es: „Deutschland einig Minusland“. Die Aktienkurse von VW, Daimler und BWM sind wichtige Bestandteile des Deutschen Aktienindex DAX. Der DAX-Kursindex steht zur Jahresmitte 2018 nicht mal mehr so hoch wie im Frühjahr 2000.

 

 

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