Bundesliga Aktien: Die meisten deutschen Aktien stehen noch tief

RWE_KW_klein„Kohlescham“ ist nicht ausgeprägt: RWE zählt zu den beliebtesten Aktien, foto mb

Aktienkäufer bewilligen derzeit steigende Kurse. Neue Höchststände werden dem Deutschen Aktienindex DAX vorhergesagt. Von den Aktien, aus deren Kursen der DAX und die Bundesliga Aktien errechnet wird, sind bislang nur vier (von 30) in Höchstform.

55 Prozent mehr für Adidas

Wer heute Aktien von Adidas kaufen will, muss 55 Prozent mehr bezahlen als zu Beginn des Jahres 2019. Wer es durch seine Verkäufe den Käufern ermöglicht, so viel für Adidas zu bezahlen, der freut sich über das Rekordniveau dieser Sport-Aktie. Adidas ist mit großem Abstand vor Linde und Heidelbergcement die beliebteste deutsche Aktie im Jahr 2019. Tabelle der Bundesliga Aktien: http://index.finanztreff.de/indizes_einzelwerte.htn?i=8987458 Ob danach weitere Kursrekorde kommen werden, darüber gehen die Meinungen – naturgemäß – auseinander.

Sehr viel Geld fließt derzeit in sog. passive Aktien-Investmentfonds. Deren Prinzip lautet: Aktien kaufen, aus deren Kursen der DAX errechnet wird; egal, ob die Geschäfte der entsprechenden Aktiengesellschaften gut laufen oder ob die Perspektiven schlecht sind. Vielfach sind die Perspektiven aktuell viel weniger gut als im vergangenen Jahr. Das spielt jedoch keine Rolle, angesichts der enormen Mengen Geldes, die vor allem ausländische Anleger für deutsche Aktien ausgeben. Im Ausland sind jüngst Rekordkurse bezahlt worden. Und in Wahrheit sind die Kurse in Deutschland nicht hoch, wie der populäre DAX suggeriert: Die Kurse sind- genau betrachtet – tief. Der populäre DAX vermittelt ein unrealistisches Scheinbild. Der sachgerecht – international vergleichbare – DAX-Kursindex steht 2019 keineswegs in der Nähe seines Rekordstands. In Wahrheit steht der Kursindex DAX weniger hoch als im Jahr 2000!

Flugscham drückt Lufthansa

Tatsächlich bezahlen Anleger außer für Adidas höchste und annähernd höchste Kurse nur noch für Aktien von Linde (Industriegase/Wasserstoff), von Beiersdorf (Nivea/Tesa) sowie von Deutsche Börse, von SAP (Software) und von Vonovia (Wohnungen). Die Kurse aller anderen 24 Aktien, aus deren Kursen und Dividenden der gängige DAX errechnet wird, liegen mehr oder weniger weit unter jenen Kursen, die Optimisten einst dafür bezahlten. Der bekannteste Fall ist die Deutsche Telekom. Der schlimmste Fall ist die Deutsche Bank. Der gefährlichste Fall ist der Fall des Klimakillers Deutsche Lufthansa.

Verkäufer nehmen – im Vergleich zum Jahresbeginn 2019 – aktuell Abschläge von mehr als 20 Prozent hin, um Aktien von Lufthansa oder von ThyssenKrupp los werden zu können. Henkel steht ebenfalls niedriger als zu Jahresbeginn. Wie kritisch der Fall Henkel ist, zeigt der Vergleich mit Beiersdorf. Für Aktien dieses vergleichbaren Konzerns bewilligen Käufer derzeit fast 20 Prozent höhere Kurse. Und Manches spricht dafür, dass der Aufschlag für Beiersdorf-Aktien noch steigen wird. Henkel findet erst in den jüngsten Wochen wieder Optimisten, die mehr als Billigkurse zu bezahlen bereit sind.

Bundesliga Aktien: Geld für alle

Die Abschläge für die Schlusslichter der Tabelle der Bundesliga Aktien gewinnen noch mehr Aussagekraft, wenn man das Verhalten der passiven Investoren berücksichtigt. Gemäß ihrer Strategie, alles Geld auf alle 30 sog. DAX-Aktien zu verteilen, müssen sie auch die Minus-Aktien kaufen. Wenn deren Kurse dennoch sinken, so ist die Zahl der Pessimisten für diese Papiere quasi doppelt hoch. Hinsicht „Flugscham“ für die Lufthansa ist der Pessimismus nachvollziehbar. Von „Kohlescham“ ist freilich in der Aktientabelle wenig zu lesen: Kohle-Aktie RWE zählt schon seit 2017 zu jenen zehn Papieren, für die Anleger die höchsten Kursaufschläge bewilligen, um dabei sein zu können beim CO2-Produzenten-RWE.

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