Elektromobilität: E-Busse vom „Chinesen“ aus Ungarn

Byd_kleinIn Ungarns Donau-Ebene realisiert China-Multi Byd den Traum von der E-Mobilität, foto mb

Düsseldorfs Rheinbahn hat kürzlich Dieselbusse bestellt – in Polen. In Köln fahren schon seit einem Jahr Elektrobusse des niederländischen Herstellers VDL. Die Deutsche Bahn lässt in England E-Busse fahren; des chinesischen Herstellers Byd. Byd wird demnächst noch mehr E-Busse bauen; in Ungarn. In Sachen Elektromobilität sind uns die Chinesen meilenweit voraus, heißt es in deutschen Industriekreisen.

Byld Your Dreams (Byd) steht groß an der Fabrikwand bei Komárom im Nordwesten von Ungarn. Byd Company Ltd. ist ein Riesenkonzern aus Shenzhen/China. In Liverpool fahren auf zwei Linien bereits vollelektrische Byd-Busse. Die Batterieladung reicht für den gesamten Lienen-Tag. Oberleitungen oder zwischenzeitliche Aufladungen, wie etwa in Köln; das brauchen Byd-Busse nicht. Nachts gibt’s im Depot neue Ladungen zum Nachttarif. Doppeldeckerbusse in London fahren ebenfalls schon mit Eisen-Phosphat-Batterien made by Byd.

Die E-Volution rollt an

Hinter den Busbetrieben in Liverpool und London steht niemand Anderes als die Deutsche Bahn und deren Tochter Arriva PLC. In Turin, Paris und z.B. auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol kurven Chinesen-Busse lautlos durch den Verkehr. Noch in 2017 sollen nun die ersten 40 Byd-Busse aus der Ungarn-Fabrik (Foto) an der Puskás-Straße von Komárom rollen. Im nächsten Jahr sollen es schon 400 E-Busse sein. Drei Modelle stehen hinter der sorgsam bewachten Fabrik auf dem früheren Militärgelände in der Donau-Ebene.

Die Byd-Zentrale in Shenzhen hat den Zutritt zu der Komárom-Fabrik nicht erlaubt. Doch was im Umfeld der ungarisch-slowakischen Grenzstadt Komárom zu hören ist; das lässt keine Zweifel zu: Die E-Volution ist chinesisch. In Budapest huscht schon ein E-Byd durch die abendliche Rush-Hour. Nördlich von Paris entsteht die nächste Byd-Fabrik.

Kiepe bleibt bei seinen Leitungen

Im Düsseldorfer Industriestadtteil Reisholz ist Kiepe Electric ebenfalls gut im Geschäft: mit E-Ausrüstungen – für Oberleitungsbusse. Rheinbahn-Lieferant Solaris aus der Nähe von Posen setzt auf Lithium-Ionen-Batterien: „Ihre Betriebszeit kann bis zu 24 Stunden pro Tag betragen“, heißt es in der Firmenbroschüre. Zwischendurch fahren die Busse Stromabnehmer an Haltestellen aus. In Hannover, Nürnberg oder Führt sind solche Solaris-Busse im Einsatz. An die Byd-Technik kommen wir nicht ran, hat man bei Kiepe intern erkannt und den Technik-Wettlauf abgebrochen: „Kiepe bleibt bei seinen Leitungen!

Düsseldorfs Rheinbahn startet 2018 die Ausschreibung für zehn E-Busse. Da werden die Chinesen ihr Angebot einreichen. Oberleitungsbusse mit Kiepe-Elektrik kommen dafür nicht in Frage. Düsseldorfs Oberleitungen sind für Straßenbahnen reserviert. Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher meint, man müsse jetzt auch nicht panikartig E-Busse anschaffen, nur weil PKW-Hersteller bei den Abgasangaben geschummelt haben.

Elektromobilität made in Ungarn

Kultinvestor Warren Buffet aus den USA hat sich schon vor Jahren entschieden, den Elektro-Traum mit Byd zu verwirklichen. Buffets Investmentfirma Berkshire Hathaway hält mit dem Geld ihrer Anlegerkunden heute mehr als 200 Millionen Stück Byd-Aktien. Das ist ein Viertel des gesamten Konzerns. Auto-Erfinder Daimler verkauft seit 2014 in China mit Byd zusammen E-PKW der Marke „Denza“. E-Busse will Daimler ab 2018 an den Start bringen. „Elektromobilität ist keine Nische mehr, sondern eine substanzielle Säule“, heißt es dazu bei Daimler. Die Daimler-Fabrik in Düsseldorf-Rath soll zum Zentrum für Elektro-Lieferwagen werden. Vor Jahren hatte sich Daimler nicht dafür erwärmen, E-Wagen für die Deutsche Post zu bauen. Die Post liefert jetzt aus eigener Autofabrik gegen Daimler. Und will noch mehr liefern; zusammen mit Ford-Köln.

 

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