Bundesliga Aktien: Deutsche Bundesbank warnt vor Risiken

Börse_Bär_kleinDer Bär steht an der Börse für sinkende Aktienkurse und für Gefahren; Gefahren wie sie von ETF-Fonds ausgehen, foto: mb

Deutsche Bundesbank warnt vor Risiken mit ETF: Exchange Traded Funds. Diese Börsengehandelten Investmentfonds verdienen mit Spekulationen gegen ihre Kunden! Und zwar mit den Aktien der Kunden! Und mit Aktien der Bundesliga Aktien.

Tausende Sparer und Anleger vertrauen auf ETF. ETF-Investmentfonds gelten als eine Art Geheimwaffe. In Wirklichkeit sind Anteile dieser Fonds riskanter als Aktien. Das ist Inhalt einer umfangreichen Studie, welche die Deutsche Bundesbank jetzt in Düsseldorf vorstellte. Diese Fonds-Risiken sind geeignet, insgesamt die Aktienkurse runter zu ziehen; mithin auch die Bundesliga Aktien.

In ETF-Investmentfonds liegen – in der Regel – Aktien. Die Aktien liegen in diesen Fonds jedoch nicht direkt sondern indirekt über zwischengeschaltete Finanz-Institute. Der Fonds-Anleger erwartet allgemein, dass seine Einzahlung in einen Aktien-ETF tatsächlich in Aktien fließt; meist in Aktien, deren Kurse in die Berechnung eines (Referenz)-Index eingehen; beispielsweise in den Deutschen Aktienindex DAX Der DAX, das ist faktisch die Bundesliga Aktien. Dass dieser direkte „ETF-Draht“ in Aktien tatsächlich so nicht besteht, das sieht die Bundesbank zunächst gar nicht als nachteilig an: Sparer und Anleger „können ETF-Anteile handeln, ohne dass die dem Referenzindex [meist dem DAX] zugrunde liegenden einzelnen Wertpapiere betroffen sind.“

Absurde Verdrehung des Prinzips

Beobachter meinen, dass „die einzelnen Wertpapiere nicht betroffen sind“, das sei eine geradezu absurde Verdrehung des Anlageprinzips. Wenn Anleger in Fonds einzahlen, dann wollen die Anleger, dass diese Einzahlung auch den Aktien zu Gute kommt, die der Fonds vorgibt, in seinem Bestand zu halten. Wenn Anleger – umgekehrt – ihr Geld aus Fonds ausgezahlt haben wollen, dann würde die „Liquiditäts-Illusion unter Umständen schnell versiegen“, warnt die Abteilung Marktanalyse der Bundesbank; will sagen: Wenn Anleger verkaufen wollen, dann sind die Börsenkurse (Exchange-Quotes) der Exchange Traded Funds schnell betroffen. Sie sind dann niedriger als die gerechneten Werte der Fondsanteile auf Basis der tatsächlichen Aktienkurse. Wer sich auf so etwas einlässt, muss von eventuellen Beratern genau auf jedes dieser Risiken einzeln hingewiesen worden sein. Sowie auf weitere Risiken.

Fonds verleihen fremdes Vermögen

Investmentfonds verleihen Wertpapiere aus dem Vermögen, welches die Fonds für ihre Kunden halten. Dieses Vermögen wird als Sondervermögen bezeichnet, weil des den Kunden gehört. Es wird von Fondsmanagern abgesondert und von den Fondsmanager „nur“ treuhändisch verwaltet. Die Wertpapiere gehören nicht dem Fonds und schon gar nicht den Fondsmanagern.

Soweit Fondsmanager Wertpapiere aus solchen Sondervermögen ihrer Kunden verleihen, soweit vergreifen sie sich an fremder Leute Eigentum. Dies ist umso krasser, als die Leihgebühren regelmäßig nicht den Eigentümern der Wertpapiere, also den Fondskunden, zu Gute kommen: „Die Erträge aus [üblichen] Wertpapierleihgeschäften machen [ … ] typischerweise rund ein Drittel der durch ETF-Anbieter erzielten Gesamterlöse aus.“ So zitiert die Deutsche Bundesbank eine Untersuchung der Deutschen Bank. Beobachter meinen, solch doppelter Rechtsbruch könne nur dann durchgehen, wenn Fondskunden ausdrücklich in diese Art Benachteiligung und Schadenrisiko eingewilligt haben.

Doppelter Rechtsbruch

Der Schaden aus solchen Verleihgeschäften kann sogar noch wesentlich größer ausfallen. Ein Ausleiher von Wertpapieren aus einem Fonds kann mit diesen geliehenen Wertpapieren gegen den Kurs der entsprechenden Aktiengesellschaft spekulieren. Der Verleiher der Wertpapiere, nämlich letztlich der Kunde des Fonds, muss dann passiv zusehen, wie mit seinen verliehenen Wertpapieren gegen isein Vermögen spekuliert wird. Der üblichen Bezeichnung für ETF, nämlich als „passive Fonds“, kommt auf diese Weise eine ganz besondere, eine geradezu hinterhältige Bedeutung zu.

Der böse Kurssturz der Aktie der weltweit ambitionierten Wirecard AG macht die hinterhältige Wirkung solcher weithin üblichen Fonds-Strategien deutlich. Der Kurssturz von Wirecard wurde durch Verkäufe geliehener Aktien ausgelöst. Die Wirecard-Aktie stürzte durch diese Aktionen an der Börse von fast 200 auf kaum mehr als 100 Euro. In der Bundesliga Aktien fiel Wirecard vom Spitzenplatz in den Tabellenkeller; aktuell Rang 14. http://index.finanztreff.de/indizes_einzelwerte.htn?i=8987458.

Der Kurs von Wirecard wird in den DAX eingerechnet. Und wenn der DAX sinkt – weil z.B. die Wirecard-Aktie sinkt – dann sinken auch die Anteilwerte entsprechender ETF und sonstiger Fonds mit passiver Anlagestrategie. Entschuldigend verweisen Manager solcher Fonds auf eben diese passive Strategie: „Da können wir nichts machen.“ Hinter dem Rücken ihrer Kunden reiben sich die Manager die Hände: Leihgebühren bestimmen intern den Erfolg der Manager der Fonds und wahrscheinlich auch deren Jahresbonus.

Bundesliga Aktien: Fonds gefährden Aktien

Verliehene Wertpapiere aus Fonds können auch auf andere Weise eingesetzt werden: zur Absicherung von Geschäften – letztlich sogar von Geschäften mit dem verleihenden Fonds. Manche ETF-Aktienfonds müssen gar keine Aktien im Bestand halten. Solche sog. synthetischen ETF werden aus sog. Swaps und Derivaten konstruiert. Derartige Instrumente brauchen Absicherungen. Dafür werden z.B. geliehene Aktien verwendet; mit womöglich fatalem Ergebnis. Verliehene Wertpapiere, die den Kunden von Fonds gehören, haften für die Sicherheit anderer Fonds; unter Umständen mit bösen Folgen für die Kunden der verleihenden Fonds: „ETF sind einem Gegenparteirisiko ausgesetzt, also dem Risiko, dass ein Vertragspartner [aus Swap- und Derivat-Kontrakten] ausfällt.“ So urteilt die Deutsche Bundesbank: Die Analyse verschiedener Marktphasen deute darauf hin, dass die insgesamt wachsenden Anlagen in Exchange Traded Funds Anpassungen verstärken könnten; konkret: Sie könnten Kursausschläge nach unten verstärken.

Wer Aktien kauft, der kauft das Kursrisiko. Wer Anteile von ETF-Aktienfonds kauft, der kauft dazu noch weitere Risiken.