Aktien-Bundesliga: neuer Optimismus gegen neue Realität

CoBk_kleinCommerzbank bleibt im Sparmodus: auf Jahre keine Dividende aber höhere Kurse

Aktienanleger haben eine neue Perspektive: Am 11. Juni wählen die Franzosen ein neues Parlament. Danach wird sich auch für Deutschland zeigen, wie einsam Präsident Manuel Macron mit seinen politischen Plänen dasteht. Der Tag nach der Befreiung Frankreichs von der rechtsextremen Gefahr rückt erst mal die individuellen Umstände der deutschen Spitzenunternehmen in den Vordergrund.

Lufthansa: neue Geschäftsidee

Seit drei Wochen stehen Lufthansa, RWE und Commerzbank an der Spitze der Aktien-Bundesliga – in dieser Reihenfolge. Der Optimismus der Aktienkäufer für Lufthansa stützt sich jetzt auf den niedrigen Treibstoffpreis. Hinzu kommt, dass Konkurrent Etihad Airlines offenbar Probleme hat, die aggressive Preispolitik fortzuführen. Obendrein können Airlines, wie Lufthansa, jetzt auch noch alte Triebwerke zu Geld machen: Stromerzeuger, wie RWE, nutzen diese Art Luftfahrtschrott, um auf der Erde schnell zusätzlichen Strom produzieren zu können, wenn Wind und Sonne gerade mal als Stromlieferanten ausfallen.

RWE Tochter beflügelt Mutter

RWE-Chef Dr. Rolf Martin Schmitz hat Anleger in aller Welt kürzlich bei einer zweiwöchigen Werbetour überzeugt. Die Beteiligung an Tochter Innogy ist alleine wertvoller als alle Aktien der Mutter RWE zusammen. Eher früher als später wird mehr Strom gebraucht; z.B. im PKW- und LKW-Verkehr oder bei der Heizung. Die Dividende für 2017 sei praktisch jetzt schon sicher, gibt sich Chef Schmitz zuversichtlich. Aktienkäufer zahlen jetzt so viel für RWE wie zuletzt vor zwei Jahren. Es sieht so aus, als würde der Optimismus auch noch für mehr reichen.

Commerzbank: keine Dividende, höhere Kurse

Commerzbank-Chef Martin Zielke musste seine Aktionäre jüngst auf weitere Entbehrungen einschwören. Und wurde mit steigenden Kursen belohnt. Statt Dividende zu zahlen wird die Commerzbank in den nächsten Jahren Milliarden in die Erneuerung der IT-Systeme stecken. Tausende Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Dass die Bank bald wieder höhere Zinsen für Kredite kassieren kann, das scheint momentan wenig wahrscheinlich. Soweit sich unter diesen Umständen weiterer Kursoptimismus für die Commerzbank einstellt, müsste dies überraschen.

Aktien-Bundesliga: neues Schlusstrio

Allerdings: Der Optimismus für die Finanzwerte geht über die Commerzbank und die Deutsche Börse AG hinaus. Die Deutsche Bank stand vor vier Wochen noch auf Rang 22. Jetzt steht sie auf Rang 9. Am Tabellenende: Daimler und ThyssenKrupp. Joachim Wenning, der neue Chef der Münchener Rück, muss erst überzeugen: Die Aktie seines Hauses steht erstmals unter den „Low3“.

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