WestLB: Der Skandal geht weiter

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2016 soll Schluss sein mit dem WestLB-Nachfolger Portigon

WestLB: Der ewige Skandal, Teil 5: Zunächst hatte Mutter B voll auf die Seriosität der WestLB vertraut; seit 1982. Das war seinerzeit jene Seriosität, die Aufsichtsrat und Finanzminister Dr. Norbert Walter-Borjans noch 2013 beschwor. Da musste er sich im Landtag von NRW den Fragen stellen: zum ungeklärten Verschwinden von Kundenvermögen in der Landesbank; darunter auch das Vermögen von Mutter B.

8 % für Festgelder

Mutter B war 1975 Witwe geworden. 1982 verkaufte sie das historische Haus der Familie in Köln-Junkersdorf. Den Erlös übertrug sie auf die WestLB-Niederlassung in der Kölner Ludwigstraße. Die Zeiten waren gut. Die Landesbank wurde für ihr 150jähriges segensreiches Wirken gerühmt. Die Zinsen für Festgelder stiegen bis 1989 auf mehr als 8 %.

WestLB gab weniger

Vor dem Hintergrund der attraktiven Zinsen verlängerte der Kölner WestLB-Direktor Richter nicht etwa das Festgeld von Mutter B. Er löste es auf. 1.200 Aktien der Philips Gloeilampenfabriken kaufte Richter Anfang 1989 mit dem Geld der bald 80jährigen Mutter B, ferner Inhaberschuldverschreibungen (IHS) seines Arbeitgebers WestLB und obendrein für fast 500.000 DM Wertpapiere von fünf weiteren Adressen. Die Philips-Aktien stürzten erst mal in den Kurskeller. Die WestLB-IHS brachten nicht so viel Zinsen wie das Festgeld, das Direktor Richter für den Kauf der Papiere auflöste. Von den anderen überwiegend völlig unbekannten ausländischen Papieren ganz zu schweigen. Die ansonsten gut versorgte Mutter B bekam von diesen Geschäften allerdings nichts mit. Sie wurde auch nicht gefragt, ob sie die gerade erworbenen Wertpapiere aufwändig aus der üblichen Girosammelverwahrung herausgelöst haben wollte, um sie dann paketweise als effektive Urkunden von der WestLB-Zentrale in Düsseldorf nach Köln zu schicken. So geschah es dann aber ohne Wissen und Einwilligung von Mutter B.

Steuern für Nichts

Viele Anleger waren seinerzeit dem Rat der WestLB ins Ausland gefolgt. Sie haben ihre Vermögen zurückbekommen und dann Steuern und Strafen gezahlt. Gegen Mutter B wurde niemals ermittelt, schon gar nicht wegen Steuerhinterziehung. Ihr Vermögen hat sie nicht zurückerhalten. Stattdessen hat Mutter B im Februar 2003 nicht weniger als 14 Steuerbescheide bekommen. Bei den Ermittlungen gegen die WestLB hatten  die Steuerfahnder nicht nur das Vermögen vieler Auslands-Steuerflüchtlinge gefunden. Sie fanden auch das Vermögen von Mutter B – aber zwar nicht im Ausland sondern im Inland – in den Büchern der WestLB. Wofür sonst als für die Zinsen und Dividenden, welche Mutter B eigentlich aus diesem Vermögen hätte erhalten sollen, konnte das Finanzamt Köln-West 156.000 € Steuern von der bald 90jährigen Mutter B fordern. Mutter B hat jedoch keine Dividenden von Philips erhalten und nur einmal, nämlich 1999, 40.000 DM Zinsen erhalten – offensichtlich aus dem Kapital, mit dem die WestLB arbeitete.

Tod nach schwerer Krankheit

Mutter B konnte nicht und wollte auch nicht Steuern zahlen für Einkünfte, die nicht sie, sondern offenkundig die WestLB erhalten hat. Mutter B forderte vielmehr ihr Vermögen aus der gar nicht seriösen Landesbank zurück. Im November 2005 starb Mutter B nach schwerer Krankheit in den Armen ihrer Tochter KB in Hamburg. Erbin KB setzt die Suche nach dem Vermögen ihrer Mutter fort – mittlerweile seit mehr als zehn Jahren und gegen widerwärtigen Widerstand des WestLB-Nachfolgers Portigon sowie unter den Augen von Aufsichtsrat und Finanzminister Walter-Borjans.

Durchtriebene Tricks

Die WestLB-Anwälte, die heute von Portigon bezahlt werden, scheuen selbst vor plumpen Täuschungen nicht zurück. Natürlich wissen sie – genauso wie das Finanzamt – wo das Erb-Vermögen von KB in den Bilanzen der WestLB steckt; bzw. in den Nachfolgeinstituten Portigon und Erste Abwicklungsanstalt. Die Bilanzen der WestLB sind nicht mal im staatlichen Landesarchiv in Duisburg hinterlegt. Natürlich wissen die Abwehrstrategen von WestLB/Portigon, dass ihre Bilanzen spätestens seit 1993 sämtlich falsch sind. Sie wissen ferner, dass die Wirtschaftsprüfer diese Fälschungen bei ihren routinemäßigen Abschlussprüfungen gar nicht finden können. Mit durchtriebenen Tricks versuchen WestLB/Portigon den fortgesetzten Betrugsvorgang zu vertuschen. Wie es weitergeht? Lesen Sie Teil 6 der Serie: „WestLB, der ewige Skandal.“

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